Lesemeinung - Rezensionen


Die Einsamkeit der Primzahlen von Paolo Giordano









Titel: Die Einsamkeit der Primzahlen
Autor: Paolo Giordano
Seitenanzahl: 363
Erscheinungsdatum: 2008 (2009 deutschsprachige Ausgabe)
Verlag: Heyne fliegt
Originaltitel: La solitudine dei numeri primi
ISBN: 978-3-453-53478-0




Klappentext:
Ein einziger Augenblick entscheidet über dein Schicksal.
Alice ist beim Skifahren einen Moment lang unachtsam und stürzt schwer. Seitdem hinkt sie. Mattia lässt seine Zwillingsschwester im Park zurück - und sie verschwindet spurlos. Als sich Alice und Mattia auf dem Gymnasium kennenlernen, ahnen sie bereits, dass sie die Schatten ihrer Vergangenheit von nun an begleiten werden. Die große Nähe, die die beiden sofort verbindet, erschreckt den sensiblen Mattia, dem im Zweifelsfall Zahlen lieber sind als Menschen ...
Zum Teufel noch mal, was für ein fantastischer Schriftsteller! Andrea Camilleri





Meine Meinung:


...schaffte sie es jetzt auch alleine aufzustehen.
Mit dem Lesen dieser letzten Worten klappte ich das Buch mit offenem Mund und völlig sprachlos zurückgelassen zu. Denn auch wenn mich dieses Buch mehrere Tage begleitet hat, ließ mich das Gefühl nicht los nach einem langem Moment des Luftanhaltens wieder tief Luft zu holen und zu klaren Gedanken zu kommen. Aber wir beginnen von Anfang an.

In der Geschichte begleiten wir Alice und Mattia in unterschiedlichen Jahren und demzufolge auch in immer wieder unterschiedlichen Entwicklungsstufen. Zuerst erfahren wir von Alice schwerem Skiunfall im Jahr 1983 ohne klaren Ausgang und ein Jahr später wird Mattias Leben durch das Verschwinden seiner Zwillingsschwester Michela gravierend geändert. 
Beide leben fortan ein Leben, das sich aufgrund dieses jeweils heftigen Ereignisses in einer Art und Weise entwickelt, die einzigartig, andersartig und besonders ist. Gleichzeitig sind natürlich die angerissenen Themen wie Freundschaft, Beliebtheit, Mobbing, Ausgrenzung, Gruppenzwang bekannt und aufgrund der Altersstufe erklärbar. 
Und doch hat der Schreibstil etwas Anziehendes, etwas Distanzierendes und etwas Direktes, Echtes. Denn wir sind nebendran, wir sind überall dabei und doch so direkt mit der Wirklichkeit der Protagonisten konfrontiert, dass sich alles, was sie erleben so echt anfühlt. Das "Auftauchen" oder "Aufwachen" aus dem Buch war jedesmal wieder schmerzhaft, als würde ich Freunde im Stich lassen und alles Weitere, was passiert, verpassen.

In der Kürze zusammengefasst: Wir lesen den entscheidenden Wendepunkt beider Protagonisten, deren erstes Aufeinandertreffen im Teenageralter durch eigene Entscheidungen sich jeweils nochmal in der Richtung ändert und schließlich ihr weiteres Bestreiten des Lebens weder eindeutig gemeinsam noch getrennt stattfindet. Wie das Buch ausgeht, kann und will ich nicht verraten, denn es ist einfach ein Erlebnis, das ich niemandem nehmen möchte. 

Schaut mal rein und lasst euch von einem ungewöhnlichen und besonders grandiosen Roman überraschen, der auf rund 360 Seiten nur begeistern kann.





Zusatzinformation: Dieser Roman wurde auch verfilmt unter gleichnamigem Titel "Die Einsamkeit der Primzahlen" -> ebenfalls sehr empfehlenswert

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