Donnerstag, 23. März 2017

Buchtipp | Libellen im Kopf | Gavin Extence

"Dieser Roman ist ein großer Wurf, eine bewegende, feinfühlig geschriebene Lektüre, die dazu noch unterhaltsam ist." Hamburger Morgenpost (22.10.16)

Der zweite Roman von Gavin Extence, dem Bestsellerautor von "Das unerhörte Leben des Alex Woods", kommt mit großen Ansprüchen daher. Und die kann er auf jeden Fall erfüllen.

Titel: Libellen im Kopf
Originaltitel: The Mirror World of Melody Black
Autor: Gavin Extence
Seitenzahl: 352
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
Verlag: Limes
Preis: 19,99 €
Erschienen am 14.11.2016


In dem Werk "Libellen im Kopf" geht es um Abby, die mit ihrem Freund Beck in London lebt. Eines Abends möchte Abby eine Dose Tomaten von ihrem Nachbar erbitten. Doch als sie die Wohnungstür öffnet, merkt sie, dass etwas nicht stimmt und erblickt im Wohnzimmer den toten Nachbar im Sessel liegend. Daraufhin raucht sie eineinhalb Zigaretten, die auf dem Sofatisch liegen, ruft die Polizei, versichert mehrfach, dass der Nachbar tatsächlich tot ist und kehrt scheinbar unversehrt in ihr Leben und ihre Wohnung zurück.

Der Einstieg in die Geschichte von Abby, die auch aus ihrer Perspektive erzählt wird, ist so schonungslos, makaber und direkt wie auch der Rest des Romans. Da ich das erste Werkt von Gavin Extence leider noch nicht gelesen habe, kann ich keinen Vergleich ziehen, aber betonen, dass er mich sehr beeindruckt hat. Abby erscheint erst als etwas desorientiert und verloren in der Handlung, in dem Geschehen. Allerdings wird recht schnell klar, dass sie so manch eine Entscheidung nicht rein aus Vernunftgründen trifft und sich auch nicht immer klar nachvollziehbar für die Menschen in ihrem Umfeld verhält. Der Verdacht, dass irgendetwas mit Abby nicht stimmt verdrängt mit der Zeit den schrägen Humor, der zwangsläufig aus den Situationen entsteht. Aus der Perspektive einer psychisch instabilen Person erzählt wirkt jedoch vieles so klar nachvollziehbar für den Leser, dass die Konfrontation mit der Realität sowohl Abby als auch den Leser immer wieder schmerzhaft einholt. Das Verschwimmen von Realität und fiktiver Realität aus Abbys Sicht wird stärker je weiter wir ihrem Weg folgen. 

Gavin Extence ist ein erstaunlich eindrucksvolles Porträt einer Erkrankung gelungen, das gleichermaßen anzieht und abstößt. Denn Abbys Weg ist weder leicht noch schön und trotzdem möchte man unbedingt wissen, was wohl noch passiert. Die etwas komplizierte Konstellation in ihrem Umfeld macht eine Einschätzung auf Seiten des Lesers nicht leichter. Ebenso wusste ich nicht sehr lange überhaupt nicht, wohin das Buch mit mir und die Geschichte mich hinführen wollte. Vielleicht kein Buchtipp für jeden, aber dennoch eine Empfehlung für jeden, der sich mit seinem Selbst, seiner Psyche auseinander setzen möchte und der einfach mal wieder etwas Neues entdecken möchte. 

Vielen Dank an das Bloggerportal für die kosten- und bedingungslose zur Verfügungsstellung des Leseexemplars!

Vielen Dank Gavin Extence und ich bin sehr gespannt auf "Das unerhörte Leben des Alex Woods"! Hoffentlich bald noch weitere Bücher!

Ganz liebe buchige Grüße,
eure Anja